2025-10-14
“Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe: Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.” – Er nimmt die jüngsten Ereignisse um „Gaza“ zum Anlass, um sich mal wieder weit zum Fenster hinaus zu lehnen. Das Fliegengewicht poltert gegen den Goliat globaler Politik: „Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter.“
Israelische Militäraktionen außerhalb des eigenen Staatsgebiets (Auswahl seit 1948)
1956 Ägypten (Sinai), Einmarsch im Rahmen der Suez-Krise, Angriffskrieg mit GB & FR, völkerrechtswidrig
1967 Ägypten, Syrien, Jordanien Sechstagekrieg, Besetzung fremder Gebiete präventiv begründet, aber mit dauerhafter Besatzung (Während des Sechstagekriegs eroberte Israel die Golanhöhen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte Israel im November 1967 in seiner Resolution 242 zum Rückzug aus besetzten Gebieten auf. Seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt Israel das Westjordanland, Ostjerusalem und den Gazastreifen (die besetzten palästinensischen Gebiete). Die Siedlungen im Gazastreifen hat Israel im Jahr 2005 geräumt und seine militärischen Kräfte abgezogen, kontrolliert aber weiterhin die Grenzen. Insbesondere im Westjordanland, aber auch in Ostjerusalem werden immer mehr Siedlungen ausschließlich für die jüdische Bevölkerung gebaut. Erst im März 2024 hat Israel im Westjordanland 800 Hektar Land beschlagnahmt und für den Siedlungsbau ausgewiesen. Dabei handelt es sich um die größte Beschlagnahmung von Land in den Palästinensergebieten seit 1993.
1981 Irak Bombardierung des Atomreaktors Osirak, Völkerrechtswidriger Angriff auf Infrastruktur
1982–2000 Libanon, Invasion, Besatzung Südlibanons, Langfristige militärische Präsenz ohne Mandat
2006 Libanon Luftkrieg gegen Hisbollah, massive Zerstörung ziviler Infrastruktur
2007–2025 Syrien, Dutzende Luftangriffe auf Damaskus, Aleppo, Homs Ziel: iranische Präsenz, oft ohne UN-Mandat
2010–2025 Iran Cyberangriffe (Stuxnet), gezielte Tötungen verdeckte Operationen, völkerrechtlich umstritten
2018–2025 Gaza (Palästinensische Autonomie) wiederholte Invasionen, Bombardierungen hohe zivile Opferzahlen, Blockadepolitik
2023–2025 Libanon, Syrien, Irak Ausweitung der Luftangriffe auf iranische Milizen extraterritoriale Gewaltanwendung
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Ruhr Nachrichten | Castrop-Rauxel-Ausgabe vom 14.10.2025
Tag der Geiselbefreiung
Es fühlt sich alles falsch an
Von Ulrich Breulmann
Guten Morgen Ulrich Breulmann,
ärgerlich, ganz besonders ärgerlich: Erst den Kandidaten loben und im zweiten Schritt durch die Fäkalien ziehen:
„Ja, es ist großartig, dass die Terrororganisation Hamas jetzt auch die letzten der vor zwei Jahren entführten Geiseln freigelassen hat. Dass es dazu kommen konnte, ist mit Sicherheit auch ein Verdienst von Donald Trump. Er allein hatte die Macht, genügend Druck auszuüben, unter dem Israel und die Hamas diese Freilassung erreicht haben. Dafür verdient er Lob und Anerkennung. Zugleich stellt sich die Frage, warum Trump sich erst jetzt mit so großer Entschlossenheit eingemischt hat. Warum erst Zehntausende sterben mussten, weitere Zehntausende zu Krüppeln geschossen und bombardiert werden mussten, warum Millionen immer wieder vertrieben und ausgehungert werden mussten. Warum erst der schmale Streifen am Mittelmeer in eine lebensfeindliche Trümmerlandschaft verwandelt werden musste, ehe Herr Trump entschied: Genug ist genug. Warum erst jetzt?“
Sagen sie mal, was haben Sie persönlich denn all die Jahre getan, um das Abschlachten in der Region zu verhindern.
„Trump irrt. Nein, der Krieg in Gaza, der Krieg im Nahen Osten ist nicht vorbei. Noch hat die Hamas ihre Waffen nicht niedergelegt. Nach den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre, …“
Ulrich Breulmann, Ihre Wichtigtuerei ist einfach nur widerlich, Ihre einseitige Stellungnahme gegen die Hamas ist es auch.
„Frieden im Nahen Osten wird es erst geben, wenn es neben dem Staat Israel einen lebensfähigen Staat Palästina gibt, der nicht von religiösen Fanatikern und Extremisten, sondern von Pragmatikern gelenkt wird.”
Was sie geflissentlich übersehen: Sie haben nicht zu formulieren, wie sich Palästina zu organisieren hat, zumal in einer Umgebung, in der das mörderische Israel die Staaten dort beliebig terrorisiert und bombardiert:
Und kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Selbstverteidigungsrecht. Ja, Deutschland hat sich unter den Nationalsozialisten fürchterlich an Juden vergriffen – keine Frage. Doch der Menschheits-Verbrecher Netanjahu kann daraus keine License To Kill für den Staat Israel ableiten.
Wenn Sie die moralische Verantwortung für das späte Eingreifen ausschließlich bei Trump verorten, blenden Sie damit systematisch die jahrzehntelange Komplizenschaft westlicher Regierungen und Medien aus. Diese Einseitigkeit ist nicht nur analytisch schwach, sondern auch rhetorisch entlarvend.
Es ist unaufrichtig, wenn Sie die Frage ausschließlich mit Herrn Trump verbinden. Schließlich “hat die ganze Welt” dem verbrecherischen Treiben seit Jahren zugeschaut und die Konflikte eskaliert. Sie selbst gehören zu den systemservilen Journalisten, die die westlichen Verlogenheiten, vor allem auch die der deutschen Bundesregierung (nicht nur in Bezug auf Israel) promotet haben.
In einem Punkt stimme ich Ihnen zu: Die Gründung eines Staates Palästina wird nicht zur Konfliktbeseitigung beitragen. Die Palästinenser würden dadurch lediglich einen anderen juristischen Status erhalten.
„Donald Trump ist zu tiefst enttäuscht, dass er den Friedensnobelpreis nicht bekommen hat …“ Verstehe ich nicht. Die frisch gekürte Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado ist, wenig überraschend, eine Unterstützerin der US-Sanktionen gegen Venezuela und vertritt offen US-Interessen und möchte, dass US-Konzerne die staatlichen venezolanischen Ölkonzerne übernehmen.
Immerhin war es die Trump-Regierung, die 2019 den letzten großen Putschversuch gegen die venezolanische Regierung von Präsident Maduro orchestriert hat. Trump müsste sich eigentlich über den Friedensnobelpreis für Machado freuen, denn nachdem Trumps Schützling Guaidó mit seinem Putschversuch gegen Maduro gescheitert ist und inzwischen in den USA lebt, hat den Preis nun Guaidós ebenfalls von den USA eingesetzte Nachfolgerin im Kampf gegen Maduro bekommen. Außerdem hat Trump den Kampf gegen Maduro gerade wieder zu einer seiner Prioritäten erklärt und Kriegsschiffe an die venezolanische Küste geschickt, weshalb derzeit auch eine Militärintervention der USA in Venezuela nicht ausgeschlossen wird, um den ungeliebten Maduro endlich zu stürzen.
Vielleicht stimmt es Trump ja gnädig, dass sie den Preis umgehend ihm gewidmet hat: »Ich widme diesen Preis dem leidenden Volk Venezuelas und Präsident Trump für seine entschlossene Unterstützung unserer Angelegenheit«.
Venezuela könne heute »mehr denn je auf Präsident Trump, das Volk der Vereinigten Staaten, die Völker Lateinamerikas und die demokratischen Nationen der Welt als unsere wichtigsten Verbündeten zählen«, schreibt sie in ihrem Post auf X.
Ulrich Breulmann, Sie sind nur ein Kommentator unter Tausenden, die uns täglich die Welt erklären, systemservil versteht sich. – Und die, das muss ich Ihnen leider ins Stammbuch schreiben, die die Desaster dieser Tage signifikant eskaliert haben. Angesichts dessen freue ich mich über den globalen Kapellmeister, der euch Klugschreiber bisher noch alle in den Schatten gestellt und die europäischen Politiker zutreffend als US-amerikanische Stiefellecker identifizierte. – Und ich freue mich über den (Teil)Erfolg, der gigantisch genug ist!
Jürgen Beineke
Admin - 15:45:53 @