2025-12-06
Im Vorfeld von Tagesordnungspunkt sechs der Zitterpartie um das Rentenpaket im Bundestag meldeten sich am 04.12.2025 in Castrop-Rauxel Niklas von Estorff (CDU) und Lisa Kapteinat (SPD) zu diesem Thema und forderten eine erste Stellungnahme von mir heraus. Heute nun ist es Leser Manfred Pietschmann mit einem Text, der mich erzürnte und der diese zweite Stellungnahme von mir veranlasste.
Siehe Dokumentation:
Ruhr Nachrichten | Castrop-Rauxel-Ausgabe vom 06.12.2025_ LESERFORUM
Manfred Pietschmann zu unserem Artikel „Junge Union Castrop-Rauxel fordert Fokus auf Rentenreform“ (4. 12.): Fehl-Annahmen von Adenauer und Blüm
Hallo Manfred Pietschmann,
eine derartige oberflächliche Befassung mit dem Mammut-Thema Rente aus Ihrer Feder ist für mich völlig unbegreiflich.
Auch ich hatte einen Leserbrief verfasst, dessen Inhalt ich Ihnen nachfolgend überlasse. Ich hatte ihn auch an Niklas von Estorff (kontakt@cdu-castrop-rauxel.de) und Lisa Kapteinat (buero@spd-castrop-rauxel.de) gesandt und auf meiner persönlichen Homepage veröffentlicht jedoch – wie bei Parteiappartschicks üblich – keine Antwort erhalten.
Was ich darin vergessen habe und hier nachtrage, ist der ewige Missbrauch der Rentenversicherung, die regelmäßig für sachfremde Leistungen ausgebeutet wurde. Z.B. für die Eingliederung von 16 Millionen DDR-Bürgerinnen und Bürger, die immerhin zwei Billionen EURO gekostet hat.
Die Integration der DDR-Bürger in das westdeutsche Sozialversicherungssystem war einer der größten Kostenblöcke der Einheit. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte der jährlichen Einheitskosten (ca. 100 Mrd. Euro) über Sozialtransfers lief, also Renten- und Arbeitslosenversicherung.
• Rentenversicherung:
o Übernahme von ca. 4 Millionen DDR-Rentnern ab 1990.
o Rentenüberleitungsgesetz (1992) garantierte Ansprüche nach westdeutschem Recht Bpb.de.
o Die Rentenkassen mussten jährlich zweistellige Milliardenbeträge zusätzlich stemmen.
• Arbeitslosenversicherung:
o Anfang der 1990er Jahre waren bis zu 1,5 Millionen Ostdeutsche arbeitslos.
o Leistungen wurden vollständig aus der westdeutschen Arbeitslosenversicherung finanziert.
Wer heute gegen Rentner polemisiert, muss sich daran erinnern lassen, dass ohne die Rentenkassen und die Solidaritätsabgaben die Einheit nicht finanzierbar gewesen wäre. Rentner sind nicht „zu teuer“ – sie haben die historische Last bereits getragen.
…
Die Integration der Russlanddeutschen (Spätaussiedler) war ebenfalls ein massiver Kostenfaktor für die Sozialkassen. Sie erhielten sofort Zugang zu Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung nach deutschem Recht. Über das Fremdrentengesetz (FRG) wurden ihre im Ausland erworbenen Arbeitsjahre anerkannt und in deutsche Rentenansprüche umgerechnet – finanziert aus der gesetzlichen Rentenkasse. Wie bei den DDR-Bürgern wurde auch hier die Rentenkasse als Integrationsinstrument genutzt.
Die Integration der Russlanddeutschen über die Rentenkasse fiel in die Regierungszeit von Helmut Kohl.
Ich werde diese Antwort an Sie auch auf meiner persönlichen Homepage dokumentieren. Das Thema ist einfach zu bedeutsam, als dass man damit eine Tür-und-Angel-Diskussion führen darf.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Beineke
Admin - 15:03:41 @