Jürgen  Beineke
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Homepage eines zornigen Bürgers


Janusz-Korczak-Gesamtschule Castrop-Rauxel: »Wer hat hier gepennt?«

11. Mai 2019

Diese Dokumentation erfolgt anlässlich eines lokalen Zeitungsartikels von Marcel Witte in der Ausgabe 'RN Castrop-Rauxel', 10.05.2019, Seite 15: Gesamtschule für den Norden?

Der Autor: »CASTROP-RAUXEL. Es klingt paradox: Im vergangenen Jahr lief die Janusz-Korczak-Gesamtschule in Ickern aus. Nur ein Jahr später wird aber wieder eine weiterführende Schule benötigt. Die Tendenz ist klar.«

»Die Zahlen zeigen, dass knapp 60 Prozent der Castrop-Rauxeler Schüler an weiterführenden Schulen nicht auf ein Gymnasium gehen. Doch eine neue Schule muss her, um den Bedarf zu decken. Die Tendenz geht daher zu einer neuen Gesamtschule im Castrop-Rauxeler Norden. Denn bereits jetzt zieht es einige Schüler an weiterführende Schulen in anderen Städten. „Der Norden ist in Sachen Schulangebote unterversorgt“, stellt die Ausschussvorsitzende Katrin Lasser-Moryson fest. In Zahlen ausgedrückt: Im vergangenen Jahr starteten 98 Castrop-Rauxeler Schüler auf einer weiterführenden Schulen außerhalb des Stadtgebiets - beispielsweise in Waltrop oder Recklinghausen. Überwiegend kamen diese Schüler aus dem Norden der Stadt und gingen auf eine Gesamtschule. „Die Krux dabei ist: Wir hatten in Ickern mit der JKG sogar bis zum vergangenen Jahr noch eine Gesamtschule“, sagt Katrin Lasser-Moryson.«

Es klingt nicht nur paradox, vielmehr ist es paradox und nicht nur das – es ist eigentlich ein Skandal.

Marcel Witte stellt fest: »Der vor Jahren aufgestellte Schulentwicklungsplan sah andere Zahlen vor, die ganz plötzlich nicht mit der Realität übereinstimmten. „Zuwanderungen und zusätzliche Geburten“, führt die Sozialdezernentin Regina Kleff als Gründe auf.

Zuwanderungen lasse ich als Grund gelten, die Flüchtlingswelle traf Castrop-Rauxel deutlich. Ich gönne jedem Flüchtling das Recht auf einen ordentlichen Schulabschluss. Doch zusätzliche Geburten? Die Zahl der Geburten stieg, das ist Fakt. Doch diese Kinder gehen erst mit zehn oder elf Jahren auf eine weiterführende Schule. Heißt also im Umkehrschluss, dass sich das Problem über Jahre hinweg angedeutet hat. Ich frage daher: Wer hat hier gepennt?«

Es hat niemand gepennt, diese Schulschließung ist (wie auch all die anderen Schulschließungen in Castrop-Rauxel) vielmehr bewusst herbeigeführt worden, und die (Schul)Ausschussvorsitzende Katrin Lasser-Moryson (SPD) hat daran und an der von ihr diagnostizierten schulischen Unterversorgung im Norden ebenso bewusst mitgewirkt. Die Schulschließung ist eine der vielen traurigen Konsequenzen, die die Einsparpolitik der (regierenden) Rats-Parteien seit mehr als einer Dekade für die Bürgerinnen und Bürger bewirkt haben.

SPD und Konsorten war es 2012 wichtig, die sogenannte Sekundarschule zu gründen und die Janus-Korczak-Gesamtschule zu schließen, weil sie hierüber den Bestand der vorhandenen Gymnasien sichern wollten. Das wurde zwar nie ausgesprochen, war aber nach meiner Überzeugung so, und ich fühle mich durch die jüngsten Gymnasiumsgründungsabsichten der hiesigen SPD darin bestätigt.

Ich habe mir 2012 bereits an den Kopf gefasst: Bürgermeister Beisenherz & Co, die damals die Sekundarschule massivst bewarben, hatten seinerzeit die Parteivorsitzenden zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen, an der der damalige Vorsitzende Wilfried Vollmer und ich für die Linke gemeinsam teilnahmen.

Ich habe dem Bürgermeister und Lehrer Beisenherz damals gesagt, dass es völlig unlogisch sei, angesichts prognostizierter Schülerzahlenrückgänge auch noch die Eröffnung einer weiteren Schulform anzustreben. Aber anscheinend war ich der Einzige in der ganzen Runde, der logisch denken konnte, besser gesagt, denken wollte.

Bei einer Sondersitzung des Betriebsausschusses 2 zum Thema Sekundarschulen mit Dr. Harbeck am 21.03.2012 im Ratssaal, als die politischen Parteien den Gutachter hinsichtlich des Schulentwicklungsplanes für CAS befragen konnten, habe ich ihm gezielt die Frage gestellt, ob es wahrscheinlich sei, dass bei Nichtschließung der Janus-Korczak-Gesamtschule eines Tages die bestehenden Gymnasien zur Disposition stehen könnten. Und Herr Dr. Harbeck bestätigte das für mindestens eines der beiden.

Darum behaupte ich nach wie vor: Es ging – von allen anderen Beteiligten verschwiegen – in erster Linie darum, den Bestand der vorhandenen Gymnasien zu gewährleisten. Darum musste die Janus-Korczak-Gesamtschule geschlossen werden – doch darauf wird später noch näher eingegangen. Der jüngste SPD-Vorschlag, angesichts der jetzigen Situation ein weiteres Gymnasium zu gründen, bestätigt mich.


  • Zu dieser Dokumentation fühle ich mich anlässlich des genannten Artikels als ehemals Sachkundiger Bürger für die Fraktion DIE LINKE im Jugendhilfeausschuss und Schulausschuss der Stadt Castrop-Rauxel von November 2009 bis März 2013 und von Juni 2014 bis November 2014 verpflichtet. Ich bin also gewissermaßen Zeitzeuge.


5. Juli 2012

Unter den Augen Hunderter demonstrierender Eltern, Lehrer und Schüler vornehmlich der Fridtjof-Nansen-Realschule (FNR) hat der Rat am 5. Juli 2012 mit einer knappen Mehrheit von 22 gegen 20 Stimmen bei einer Enthaltung einen Grundsatzbeschluss zur Errichtung zweier Sekundarschulen gefasst. Die Entscheidung fiel nach einem gut dreistündigen Rededuell in geheimer Abstimmung gegen 20:30 Uhr. - Das bedeutete das faktische Aus für beide Realschulen sowie die Schillerschule.

Gegen die Stimmen der LINKEn beschlossen wurde zuvor bereits das Aus für die Grundschulen Grüner Weg und Harkortschule sowie für die Janusz-Korczak-Gesamtschule. Bei der Abstimmung über die Schließung der Franz-Hillebrand-Hauptschule enthielt sich DIE LINKE angesichts der Stellungnahme der Schulkonferenz.

Unter dem 1. März 2014 veröffentlichte ich auf der Stadtverband-Homepage der Partei DIE LINKE nachfolgenden Text und sandte ihn in Auszügen an die Lokalpresse.[1]


Schulische Diaspora in Castrop-Rauxels Norden

Sollte tatsächlich eintreten, was in den Ruhr Nachrichten heute für möglich gehalten wird, nämlich, dass die Dependance der Sekundarschule Süd im Sommer 2014 geschlossen werden muss, dann ist das der Skandal schlechthin. Dann gibt es in Ickern keine weiterführende Schule mehr. Hauptschule und Gesamtschule waren nämlich dem Schulexperiment Sekundarschule geopfert worden.  

Ruhr Nachrichten: Aus für Standort Ickern

Für den Vorschlag der LINKEN im Rahmen der Schulentwicklungsplanung, die Reorganisation der drei vor einem Jahr infrage stehenden Standorte (Lange Straße, Uferstraße und Waldenburger Straße) unter dem Dach der bewährten Gesamtschulkonzeption anzupacken, konnte sich niemand der Damen und Herren von SPD, Grünen, CDU, FDP und FWI erwärmen.

Stattdessen - so wollte es die Verwaltung, und so wollte es mit einer Stimme Mehrheit im Rat die Koalition von SPD und Grünen - sollten eine Sekundarschule Nord und eine Sekundarschule Süd gegründet werden. Im Norden sollten gleichzeitig Hauptschule, Realschule und Gesamtschule verschwinden.

Bekanntlich kam es anders: Nach dem sehr erfolgreichen Bürgerentscheid am 28. Oktober 2012 muss die Fridtjof-Nansen-Realschule nun mindestens zwei Jahre lang weitergeführt werden und erhielt 111 Neuanmeldungen für das Schuljahr 2013 und 143 für das kommende Schuljahr 2014.

Bei der von SPD und Grünen und der Schuldezernentin so hoch favorisierten Sekundarschule hingegen reichte es letztes Jahr für ein Mutterhaus im Süden mit einer Dependance im Norden. Und letztere steht heute – also nur ein Jahr später – offensichtlich vor dem Aus.

Als Ergebnis dieser genialen Politik gibt es zukünftig im Norden der Stadt fatalerweise keine Gesamtschule und Hauptschule mehr (das haben sie erreicht) und es gibt alternativ auch keine Sekundarschule - aber hoffentlich gute Busverbindungen in den Süden.

Vorstehender Text ging auch an die Lokalredaktionen von:
Ruhr Nachrichten
Stadtanzeiger
WAZ

Unter dem 7. März 2014 berichtete ich mit folgendem Text weiter. Auch ihn sandte ich an die lokale Presse (1).[2]

 Schulische Diaspora in Castrop-Rauxels Norden – Der Skandal ist perfekt

In Ickern gibt es demnächst keine einzige weiterführende Schule mehr. Hauptschule und Gesamtschule waren nämlich dem Schulexperiment Sekundarschule geopfert worden. Für die von SPD, Grünen und Schuldezernentin so hoch favorisierte Sekundarschule reichte es letztes Jahr für ein Mutterhaus im Süden mit einer Dependance im Norden. Und letztere steht heute – also nur ein Jahr später – vor dem Aus. 

Auf der Homepage der Stadt Castrop-Rauxel ist heute zu lesen: „An der Sekundarschule haben sich 96 Kinder angemeldet, 64 im Süden und 32 am Standort im Norden. Die Sekundarschule Süd kann damit vierzügig ins neue Schuljahr starten. Den Teilstandort der Sekundarschule im Norden hatte die Bezirksregierung zweizügig genehmigt. Diese Zweizügigkeit am Teilstandort kommt im kommenden Schuljahr nicht mehr zustande.“

„Wir können alle angemeldeten Kinder in der Sekundarschule aufnehmen. Die Beschulung erfolgt dann allein am Hauptstandort im Süden“, erklärt Petra Glöß, Erste Beigeordnete der Stadt Castrop-Rauxel.

An diesem Abenteuer ist auch die bei allen politischen Parteien mit Ausnahme der LINKEn ungeliebte Janusz-Korczak-Gesamtschule im Castrop-Rauxeler Norden zugrunde gegangen.

Dabei hätte diese Gesamtschule das gesamte Schülerspektrum der weiterführenden Schule bis hin zum Abitur bedienen können – auch als inklusive Schule und im Sinne des längeren gemeinsamen Lernens. Es hätte politisch nur gewollt sein müssen.  

Für unseren diesbezüglichen Vorschlag im interfraktionellen Arbeitskreis unter Moderation der Schuldezernentin Petra Glöß, die infrage stehenden Standorte (Lange Straße, Uferstraße und Waldenburger Straße) unter dem Dach der bewährten Gesamtschulkonzeption anzupacken und zu reorganisieren, konnte sich niemand der Damen und Herren von SPD, Grünen, CDU, FDP und FWI erwärmen.

„Die Eltern haben (mit ihrem Anmeldeverhalten) entschieden!“

Diese listige Rhetorik, der sich auch schon mal gerne die Schuldezernentin bedient, hat jüngst ebenso Martin Buchholz von den Grünen übernommen: „Die Gesamtschule und die Hauptschule in Ickern sind von den Eltern schon vor Jahren nur noch in geringem Maße gewählt worden und mussten dementsprechend auslaufend geschlossen werden. Hierzu gab es letztendlich keine Alternative" – so konnte man in der hiesigen Presse am 6. März 2014 lesen.

Ja, wieso eigentlich sollen sich Eltern anders entscheiden als die Politiker, wenn sie ihrerseits die Schule ebenfalls für unattraktiv halten. Aber anders als sie, die Eltern, haben die Politiker einen Gestaltungsauftrag und hätten der Gesamtschule über eine Reorganisation zu neuer Attraktivität verhelfen können. Und so etwas z. B. müssen Eltern von Politikern auch durchaus erwarten können. – Also, anders als Martin Buchholz behauptet, hat es selbstverständlich eine Alternative gegeben!

Aber als die Janusz-Korczak-Gesamtschule in Ickern zur Erleichterung aller hiesigen politischen Parteien mit Ausnahme der LINKEn gerade mal 53 Anmeldungen für das Schuljahr 2012/2013 erhielt, konnte man sie getrost zu Grabe tragen. – Wie schön für die Politiker: Die verbreiten heute, die Eltern hätten entschieden.

Als Konsequenz gibt es demnächst in Ickern keine weiterführende Schule mehr. 

Teile des vorstehenden Texts gingen als Auszug an die Lokalredaktionen von:
Ruhr Nachrichten
Stadtanzeiger
WAZ

...

[1] Emails an die Lokalpresse und Veröffentlichung siehe Anhang.

[2] Diese Texte habe ich auch in meine persönliche Webseite eingestellt.


Anhang

 

Email:

From: Jürgen Beineke
Sent: Thursday, March 6, 2014 12:42 PM
To: Ruhr Nachrichten Castrop-Rauxel; Stadtanzeiger Castrop-Rauxel; WAZ Castrop-Rauxel
Subject: Schulische Diaspora in Castrop-Rauxels Norden


Sehr geehrte Damen und Herren,

angesichts der anhaltenden Diskussion um die Situation der weiterführenden Schulen in CAS bitte ich Sie abermals höflich um die Veröffentlichung nachstehenden Leserbriefes.

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Beineke

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  • Schulische Diaspora in Castrop-Rauxels Norden
Sollte tatsächlich eintreten, was in den Ruhr Nachrichten heute für möglich gehalten wird, nämlich, dass die Dependance der Sekundarschule Süd im Sommer 2014 geschlossen werden muss, dann ist das der Skandal schlechthin. Dann gibt es in Ickern keine weiterführende Schule mehr. Hauptschule und Gesamtschule waren nämlich dem Schulexperiment Sekundarschule geopfert worden.

Für den Vorschlag der LINKEN im Rahmen der Schulentwicklungsplanung, die Reorganisation der drei vor einem Jahr infrage stehenden Standorte (Lange Straße, Uferstraße und Waldenburger Straße) unter dem Dach der bewährten Gesamtschulkonzeption anzupacken, konnte sich niemand der Damen und Herren von SPD, Grünen, CDU, FDP und FWI erwärmen.

Stattdessen - so wollte es die Verwaltung, und so wollte es mit einer Stimme Mehrheit im Rat die Koalition von SPD und Grünen - sollten eine Sekundarschule Nord und eine Sekundarschule Süd gegründet werden. Im Norden sollten gleichzeitig Hauptschule, Realschule und Gesamtschule verschwinden.

Bekanntermaßen kam es anders: Nach dem sehr erfolgreichen Bürgerentscheid am 28. Oktober 2012 muss die Fridtjof-Nansen-Realschule nun mindestens zwei Jahre lang weitergeführt werden und erhielt 111 Neuanmeldungen für das Schuljahr 2013 und 143 für das kommende Schuljahr 2014.

Bei der von SPD und Grünen und der Schuldezernentin so hoch favorisierten Sekundarschule hingegen reichte es letztes Jahr gerade einmal für ein Mutterhaus im Süden mit einer Dependance im Norden. Und letztere steht heute – also nur ein Jahr später – offensichtlich vor dem Aus.

Als Ergebnis dieser genialen Politik gibt es zukünftig im Norden fatalerweise keine Gesamtschule und Hauptschule mehr (das haben sie erreicht) und es gibt alternativ auch keine Sekundarschule - aber hoffentlich gute Busverbindungen in den Süden.  

 

Email:

From: Jürgen Beineke
Sent: Saturday, March 8, 2014 10:30 AM
To: Jürgen Beineke; Ruhr Nachrichten Castrop-Rauxel; Stadtanzeiger Castrop-Rauxel; WAZ Castrop-Rauxel
Cc: Boxhammer Ingo
Subject: Aus für Ickern steht fest

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

nachfolgenden Text überlasse ich Ihnen zu Ihrer redaktionellen Verwendung und bitte höflich um Veröffentlichung.

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Beineke

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  • Aus für Ickern steht fest

In Ickern gibt es demnächst keine einzige weiterführende Schule mehr: Die Eltern haben (mit ihrem Anmeldeverhalten) entschieden!

Diese listige Rhetorik, der sich auch schon mal gerne die Schuldezernentin bedient, hat jüngst ebenso Martin Buchholz von den Grünen übernommen: »Die Gesamtschule und die Hauptschule in Ickern sind von den Eltern schon vor Jahren nur noch in geringem Maße gewählt worden und mussten dementsprechend auslaufend geschlossen werden. Hierzu gab es letztendlich keine Alternative"« so konnte man in der hiesigen Presse am 6. März 2014 lesen.

Ja, wieso eigentlich sollen sich Eltern anders entscheiden als die Politiker, wenn sie ihrerseits die Schule ebenfalls für unattraktiv halten. Aber anders als sie, die Eltern, haben die Politiker einen Gestaltungsauftrag und hätten der Gesamtschule über eine Reorganisation zu neuer Attraktivität verhelfen können. Und so etwas z. B. müssen Eltern von Politikern auch durchaus erwarten können. Diese Gesamtschule hätte das gesamte Schülerspektrum der weiterführenden Schule bis hin zum Abitur bedienen können, auch als inklusive Schule und im Sinne des längeren gemeinsamen Lernens. Es hätte politisch nur gewollt sein müssen.

Also anders als Martin Buchholz behauptet, hat es selbstverständlich eine Alternative gegeben aber keinen entsprechenden politischen Gestaltungswillen!


...


Ruhr Nachrichten _ WAZ _ WR | Montag, 3. März 2014



Originaltext

Schulische Diaspora in Castrop-Rauxels Norden

Sollte tatsächlich eintreten, was in den Ruhr Nachrichten heute für möglich gehalten wird, nämlich, dass die Dependance der Sekundarschule Süd im Sommer 2014 geschlossen werden muss, dann ist das der Skandal schlechthin. Dann gibt es in Ickern keine weiterführende Schule mehr. Hauptschule und Gesamtschule waren nämlich dem Schulexperiment Sekundarschule geopfert worden.

Für den Vorschlag der LINKEN im Rahmen der Schulentwicklungsplanung, die Reorganisation der drei vor einem Jahr infrage stehenden Standorte (Lange Straße, Uferstraße und Waldenburger Straße) unter dem Dach der bewährten Gesamtschulkonzeption anzupacken, konnte sich niemand der Damen und Herren von SPD, Grünen, CDU, FDP und FWI erwärmen.

Stattdessen - so wollte es die Verwaltung, und so wollte es mit einer Stimme Mehrheit im Rat die Koalition von SPD und Grünen - sollten eine Sekundarschule Nord und eine Sekundarschule Süd gegründet werden. Im Norden sollten gleichzeitig Hauptschule, Realschule und Gesamtschule verschwinden.

Bekanntermaßen kam es anders: Nach dem sehr erfolgreichen Bürgerentscheid am 28. Oktober 2012 muss die Fridtjof-Nansen-Realschule nun mindestens zwei Jahre lang weitergeführt werden und erhielt 111 Neuanmeldungen für das Schuljahr 2013 und 143 für das kommende Schuljahr 2014.

Bei der von SPD und Grünen und der Schuldezernentin so hoch favorisierten Sekundarschule hingegen reichte es letztes Jahr gerade einmal für ein Mutterhaus im Süden mit einer Dependance im Norden. Und letztere steht heute – also nur ein Jahr später – offensichtlich vor dem Aus.

Als Ergebnis dieser genialen Politik gibt es zukünftig im Norden fatalerweise keine Gesamtschule und Hauptschule mehr (das haben sie erreicht) und es gibt alternativ auch keine Sekundarschule - aber hoffentlich gute Busverbindungen in den Süden.


Ruhr Nachrichten_WAZ_WR | Montag, 10. März 2014 


Originaltext

In Ickern gibt es demnächst keine einzige weiter-führende Schule mehr: „Die Eltern haben (mit ihrem Anmeldeverhalten) entschieden!“

Diese listige Rhetorik, der sich auch schon mal gerne die Schuldezernentin bedient, hat jüngst ebenso Martin Buchholz von den Grünen übernommen: „Die Gesamtschule und die Hauptschule in Ickern sind von den Eltern schon vor Jahren nur noch in geringem Maße gewählt worden und mussten dementsprechend aus-laufend geschlossen werden. Hierzu gab es letztendlich keine Alternative" – so konnte man in der hiesigen Presse am 6. März 2014 lesen.

Ja, wieso eigentlich sollen sich Eltern anders entscheiden als die Politiker, wenn sie ihrer-seits die Schule ebenfalls für unattraktiv halten. Aber anders als sie, die Eltern, haben die Politiker einen Gestaltungsauftrag und hätten der Gesamtschule über eine Reorganisation zu neuer Attraktivität verhelfen können.

Und so etwas z. B. müssen Eltern von Politikern auch durchaus erwarten können. Diese Gesamtschule hätte das gesamte Schülerspektrum der weiterführenden Schule bis hin zum Abitur bedienen können, auch als inklusive Schule und im Sinne des längeren gemeinsamen Lernens. Es hätte politisch nur gewollt sein müssen. – Also anders als Martin Buchholz behauptet, hat es selbstverständlich eine Alternative gegeben aber keinen entsprechenden politischen Gestaltungswillen!


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